Vegane Gäste als Erweiterung der Zielgruppe!

Vergiss mich nicht

von Antonia Schäfer

Fleisch gegen Vegan? Gerhard Schröder möchte sich seine Currywurst zumindest nicht nehmen lassen und damit ist er nicht alleine. Ich weiß nicht, wie Du das siehst, aber solche Diskussionen, ob nun eine vegane Ernährung sinnvoller ist oder doch lieber auch tierische Produkte und Fleisch auf dem Speiseplan stehen sollen, führen in meinen Augen doch letztlich fast nie zu einem konstruktiven Ergebnis. Wenn ich an meine Familie denke, dann sehe ich da geballte Vielfalt: von dörflicher Tradition á la Schützenfest über Jäger*innen und „vegan city girl“ bis hin zur „Family for Future“. Für mich steht fest: Familien und Freundeskreise sind diverser denn je. Deshalb darf neben dem Wild auf der Karte das pflanzliche Gericht nicht mehr fehlen. In der Soziologie wird der Begriff Trend als eine „tiefgreifende und nachhaltige Entwicklung“ bezeichnet. Da sind wir nun, im Jahr 2021 und das Thema Veganismus ist populärer denn je. Wenn wir davon ausgehen, dass ca. 1,5 Millionen Menschen vegan leben und ca. 9 Millionen vegetarisch, dann hat beim Thema Veganismus das Wort Trend definitiv seine Daseinsberechtigung. Ja, es spaltet auch die Gemüter, doch die aktuelle Datenlage spricht eine eindeutige Sprache. Mehr Pflanzen auf dem Teller schützen das Klima, die Umwelt und die Tiere gleich mit. Doch lohnt sich das überhaupt für das Gastgewerbe?

Ich sage: Ja! In Zahlen ausgedrückt leben in einer Stadt mit 20.000 Einwohner:innen ca. 375 Menschen vegan. Natürlich ist das etwas vereinfacht dargestellt, denn in den Großstädten werden wir eine größere Anzahl finden als in ländlicheren Gegenden. Trotzdem zeigt uns diese Zahl, dass es hier um viele Gäste geht. Gäste, die Du sicher gerne bei Dir begrüßen würdest. Ich könnte die Zahl auch verdoppeln oder verdreifachen, denn meistens sind Veganer:innen nicht alleine unterwegs, sondern bringen Freunde oder Familie mit in Dein Hotel oder Restaurant. Und noch viel wichtiger, die veganen Gäste entscheiden auch in Gruppen mit Mischköstler:innen häufig, wo es hingeht: nämlich dahin, wo es ein entsprechendes Angebot gibt!

 

Wie werden Veganer:innen auf Dich aufmerksam?

Das vegane Netzwerk schläft nicht. Innerhalb der Community unterhält man sich, wo es leckeres Essen gibt oder in welchen Hotels man als Veganer:in nicht „seinen eigenen Kühlschrank mitnehmen muss“.

In Apps wie bspw. „VanillaBean“ werden Restaurants eingetragen, die ein gewisses veganes Angebot anbieten. Als Veganerin besuche ich also eine Stadt, öffne meine App und bekomme sofort angezeigt, was zur Auswahl steht. Ich denke, Du verstehst, worauf ich hinaus möchte. Es ist eine Win-Win Situation für das Gastgewerbe und die Menschen, die sich gerne (mehr) pflanzlich ernähren wollen. Für Hotels gibt es bereits mehrere Plattformen oder Blogs, die sich dem Thema „Urlaub“ widmen. Gerade auch auf Facebook ist die Community sehr aktiv und tauscht sich rege über Erfahrungen aus. Wichtig ist aber vor allem, dass Dein veganes Angebot sichtbar wird. Das geht über eine eindeutige aber dezente Deklaration und die Nutzung Deiner eigenen Marketingkanäle, um auf Dein veganes Essen aufmerksam zu machen.

 

Kundenbindung – the vegan way

Hast Du bisher vielleicht angenommen, dass es sich nicht lohnen würde, sich auch der veganen Zielgruppe zu widmen? Denkst Du insgeheim vielleicht, dass Pommes mit Ketchup oder das Curry auf der Karte reichen? Das Curry ist zwar ein Retter in der Not, doch kein Faktor, um Dein Hotel oder Restaurant wieder und wieder zu besuchen oder gar im Netzwerk und auf Plattformen weiterzuempfehlen. Deine nicht-veganen Gäste mögen eine Auswahl und so geht es Veganer:innen auch.

Mein Beispiel weiter oben bzgl. „Kühlschrank ausräumen“ und mit ins Hotel nehmen klingt im ersten Moment lustig. Leider ist es Realität. Immer wieder erzählen mir Veganer:innen, dass sie kaum Auswahl beim Frühstück vorfinden und zum Glück selber etwas mitgenommen hatten. Auch ich saß schon in diversen Hotelzimmern und war froh, immerhin ein Glas Kidneybohnen oder ähnliches dabei gehabt zu haben.

 

Ich plädiere dafür: Beginn noch heute!

Probier und experimentier! Vielleicht hat sogar jemand aus Deinem Team richtig Lust darauf, sich auf dieses Thema zu stürzen und bringt neue Impulse mit. In meinem Podcast „Pflanzenpower in Hotels“ greife ich unterschiedlichste Punkte zum Thema Veganismus für Hotels und Restaurants auf. Ich unterhalte mich mit Menschen aus dem Gastgewerbe, über Stolpersteine und Besonderheiten, die es auf dem Weg zu einem veganen Speiseangebot zu beachten gilt. Ich gehe darin auf Zahlreiche Aspekte ein, wie z.B. auf Lebensmittel, Frühstück, Marketing, Interieur und vieles mehr. Ich freue mich auf Dich!

Zum Schluss sei gesagt, wenn Du annimmst das Wild auf der Karte und das vegane Gericht könnten zu sehr polarisieren, so kann ich Dir aus eigener Erfahrung den Hinweis geben, dass vegane Menschen meistens in Gruppen reisen und auch essen. Dabei ist jede Person individuell und hat ihre eigenen Vorlieben. Ich sehe darin einen großen Vorteil, der bisweilen noch häufig ungenutzt bleibt. Ob vegan, flexitarisch, vegetarisch oder omnivor – wir alle möchten zusammen an einem Tisch sitzen und die gleiche Wertschätzung erfahren, uns willkommen und umsorgt fühlen. Diese Fürsorge und Aufmerksamkeit kannst Du Deinen Gästen mit einem vielfältigen Angebot an Gerichten bieten. Profitier deshalb auch Du von einem der am schnellsten wachsenden Food-Trends!

 

Über Antonia Schäfer

Mit Verbindend Vegan - Hotelberatung hat sich Antonia Schäfer auf das Gastgewerbe spezialisiert. Sie unterstütze Hotels und Restaurant dabei, veganes Essen zu inkludieren und vegane Gäste zu begeistern. Antonias Fokus ist es, die Bedürfnisse veganer Gäste mit der Zukunftsfähigkeit des Hotels und/oder Restaurants zu verbinden. Sie selbst lebe seit 2016 vegan und ist ausgebildete vegane Ernährungsberaterin. 


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