Achtsamkeit im Alltag & Beruf

von Theresa Riesner, ALH-Akademie

„Be mindful“ - Achtsamkeit begegnet uns mittlerweile mehr denn je in den Medien, Gesprächen mit Freunden und Familie und auch im Job. Was jedoch steckt hinter dem Begriff? Ist es etwas, das wir uns antrainieren können?

 Achtsamkeit ist keineswegs ein Modebegriff. Sie findet sich bereits seit vielen Jahrtausenden in den ostasiatischen Ländern verwurzelt. Jon Kabat-Zinn entwickelte in den 90er Jahren auf ihrer Basis das 8-wöchige Programm „MBSR – Mindfulness-Based Stress Reduction“, welches seitdem bei unterschiedlichen Krankheitsbildern wie Stress, Depressionen, Ess- oder Zwangsstörungen eingesetzt wird.

Im Volksmund wird der Begriff Achtsamkeit häufig mit Ordnung, Ruhe und Rücksichtnahme in Verbindung gesetzt. Die Wissenschaft hingegen bezieht sich auf Achtsamkeit im Sinne von „Mindfulness“, dem englischen Begriff für Achtsamkeit. Sie untersucht die Achtsamkeitspraxis, bei der es immer wieder darum geht, seine Aufmerksamkeit im gegenwärtigen Moment zu belassen. Was dabei entsteht, ist eine Geisteshaltung, die man „mindful“ nennt. Sie ist gekennzeichnet von Gegenwärtigkeit, Gleichmut und innerer Sammlung.

Achtsamkeits-fördernde Haltungen

In der Achtsamkeitspraxis nimmt unsere innere Einstellung einen sehr hohen Stellenwert ein – sie beeinflusst wesentlich, wie wir etwas wahrnehmen. Im MBSR-Programm werden sieben innere Einstellungen angeführt, welche als Fundament dienen:

  1. Nicht-Urteilen
    Unser Gedächtnis ist darauf ausgelegt, Erfahrungen automatisch zu kategorisieren und zu bewerten. Dies geschieht meist reflexartig und unbewusst. In der Achtsamkeitspraxis versuchen wir zum einen diesen dieses Urteilsdenken zu erkennen und zum anderen bewusst zu reagieren.
  2. Geduld
    Vor allem zu Beginn des Achtsamkeitstrainings schweifen unsere Gedanken oft immer wieder ab und bemerkbare Veränderungen lassen sich nicht sofort erkennen. Hier ist Geduld gefragt, bis wir die neuen Praktiken verinnerlicht haben.
  3. Anfänger-Geist
    Beeinflusst durch unser gewohntes Urteilsdenken begegnen wir Situationen bereits mit einer Voreinstellung. Mit der Achtsamkeitspraxis können wir üben, im Alltäglichen auch wieder das Besondere zu sehen und Gewohntes mit frischem Blick zu betrachten.
  4. Vertrauen
    Um uns auf das Achtsamkeitstraining einzulassen, müssen wir uns dem Neuen öffnen und auf den Prozess und in uns selbst vertrauen.
  5. Nicht-Erzwingen
    Der Achtsamkeitspraxis sollte nicht wie unserem üblichen Handeln ein Ziel zu Grunde liegen. Vielmehr sollten wir darauf achten, in diesen Momenten lediglich wir selbst zu sein und im Moment zu verweilen.
  6. Akzeptanz
    Um unsere Achtsamkeit entwickeln zu können, ist Akzeptanz als innere Haltung wichtig. Wir sollten keine Energie auf inneren Widerstand gegen Dinge verwenden, die bereits Realität sind. Denn diese können wir nicht verändern – nur den aktuellen Moment.
  7. Loslassen
    Alles ist vergänglich. Deshalb ist es wichtig, loslassen zu können. Um für den Moment offen zu sein, müssen wir lernen, Gedanken loszulassen und zu beobachten was passiert.

Was bringt uns Achtsamkeit?

Die Reduktion von Stress und eine bessere Regulation von Emotionen ist nur ein kleiner Ausschnitt der wissenschaftlich belegten Effekte von Achtsamkeit. Weltweit finden dazu Studien an Universitäten wie in Chicago, Massachusetts, Freiburg und Harvard statt. So wirkt sich Achtsamkeit erwiesenermaßen positiv auf psychische und physische Gesundheit aus und erhöht die Lebensqualität. Auch mehr innere Ruhe, Gelassenheit und Resilienz, ein allgemein sta­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­biler Gesundheitszustand und vermehrte Konzentration im Studium oder im Arbeitsleben sind Gründe, warum das Thema Achtsamkeit in der Gesellschaft immer mehr in den Vordergrund rückt.

Die Vielfalt der Achtsamkeit

Achtsamkeit kann in vielfältiger Weise Anwendung finden, wenn man ihre Möglichkeiten nutzt. Ein immer größer werdender Bedarf liegt in unserem Berufsleben. Die Komplexität der Aufgaben, Informationsüberlast durch Digitalisierung, Leistungs- und Termindruck sowie Prozessgeschwindigkeit wachsen stetig.

Achtsamkeitstrainings können mit dem Erlernen von Strategien zur Stressbewältigung und der Rückbesinnung auf sich selbst helfen, diesen Anforderungen besser begegnen zu können und das Stresserleben zu reduzieren. Eine Vielzahl an Unternehmen hat dies bereits erkannt und integriert solche Trainings unter anderem in die Führungskräfteentwicklung.

Tipps zur Integration von Achtsamkeit in den Alltag

Modern Mindfulness

Dass Achtsamkeit in der heutigen Gesellschaft immer mehr Anklang findet und mit ihr nach Lösungen gesucht wird, der heutigen Schnelllebigkeit entgegenzutreten, zeigt sich in verschiedenen Trends und Entwicklungen. Zum Beispiel die Verbreitung von Minimalismus in Form von Tinyhouses oder Sharing Economy. Es lässt sich jedoch nicht nur ein sinkender, sondern auch ein bewussterer Konsum feststellen. Beispielsweise wird beim Kauf der Nahrung oder Kleidung immer mehr Wert daraufgelegt, was im Einkaufswagen landet.

Schließlich zeigt sich, dass die Achtsamkeitspraxis vielfältige, über diesen Artikel hinausgehende, Einsatzmöglichkeiten und nachhaltige Effekte mit sich bringt. Vor allem in Anbetracht der sich immer weiter entwickelnden Gesellschaft, ist es von Vorteil, solch ein Werkzeug an der Hand zu haben. Und das Gute daran ist, wir alle können Achtsamkeit trainieren und den jeweils für uns passenden Weg finden.

 

Überdie Autorin:

Theresa Riesener, Psychologin (B. Sc.) und Heilpraktikerin legt ein besonderes Augenmerk auf den holistischen Therapieansatz, wobei der Mensch als Einheit von Körper, Geist und Seele betrachtet wird. Sie ist u.a. Studientutorin des Achtsamkeitstrainers und des Ernährungsberaters an der ALH-Akademie und hat sich auf die ganzheitliche Ernährungsberatung spezialisiert.

Theresa Riesener
ALH-Akademie
Gottfried-Hagen-Str. 60
51105 Köln
riesener@alh-akademie.de
www.alh-akademie.de


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